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Jugendliche Rechtsextremisten berichten uns
oft von den für sie schlimmsten Auseinandersetzungen mit
selbstverständlich "schlimmsten Feinden":
Schuld haben immer "die anderen" ...
Infolge davon wird der
Gegenschlag gewünscht, geplant und ausgeführt.
Solche Berichte sind uns willkommen, obwohl sie meist sehr
einseitig die tatsächlichen Geschehnisse darstellen, aber wir
nutzen die sich daraus ergebende Gelegenheit, um Hinweise
auf das Durchbrechen des Gewaltkreislaufs zu geben.
Selbstjustiz entsteht dort, wo der Staat versagt und sich nicht blicken lässt, wenn
Unrecht geschieht.
Die Betroffenen nehmen ihre Geschicke in die eigene Hand und versuchen, ihre Probleme "selbst zu regeln".
Durch "Gegenschläge" verschaffen sie
sich Respekt
und eine Ordnung, in der sich dann die Dinge wechselseitig abspielen, von denen einige im
Krankenhaus landen.
Selbstjustiz hat ein verständliches Motiv, aber ist keine schlaue Methode,
denn bei der Selbstjustiz "gewinnt" nicht derjenige,
der im
Recht wäre, sondern derjenige, der gewalttätiger, rücksichtsloser, hinterlistiger ist.
Solche Charaktereigenschaften und Ergebnisse sind jedoch mit wahren Wertvorstellungen unvereinbar und führen letztendlich auch für die handelnden
Personen zu Konflikten mit der Rechtsordnung.
Daran stören sich unreife Menschen wenig, weil sie "sowieso Stress mit dem System" gewohnt
sind.
Deshalb lohnt der Hinweis auf Recht und Ordnung bei den Kids kaum, sondern
muss ihnen aufzuzeigen, dass ihre Selbstjustiz auch für sie selbst
keinen wirklichen Zweck bringt, sondern Perspektive kostet, weil
Selbstjustiz die Selbstjustiz der "anderen Seite" auslöst und
die Gesellschaft mit ihrem Recht meist zu spät eingreift.
Wir erlebten es schon, dass sich Jugendliche gegenseitig totschlugen. Mal
war es "gewollt", obwohl der Totschläger hinterher fortlaufend
rumheulte: "Wie konnt ich nur? Wie konnt ich nur?",
mal "aus Versehen", aber auch dann lautet die Strophe gleich:
"Wie konnt ich nur? Wie konnt ich nur?"
Wodurch es kam?
Beide Seiten hatten die Kontrolle über die Situation und über sich
verloren. Wegen Lächerlichkeiten das Maß verloren und der Rest läuft
schief, weil die Umkehrmomente verpasst werden
und sich der Staat noch immer nicht blicken lässt.
Selbstjustiz ist zudem kein Weg, weil bei ihr das Urteil
durch die Brille des Opfers zustande kommt.
Es ist aber eine historische Errungenschaft des Rechts,
dass nicht das Opfer über den Täter urteilt, sondern ein
unabhängiges Gericht abwägt und entscheidet.
Deshalb:
Wählt 110,
die Polizei !, denn dafür zahle ich Steuern.
Der Staat wird
und soll Euch zwar nicht alle Wünschen erfüllen,
aber
es ist der richtigste Weg zur Lösung von Konflikten,
wenn man diese selbst nicht friedlich beilegen kann.
"Konflikte friedlich beilegen" ist auch so eine
Idee,
auf die viele Leute nicht von selbst kommen oder darin zu wenig
Übung haben: Versucht es mal mit DIALOG
.
Das klappt nicht beim ersten Mal, aber beim zweiten Mal schon besser, wenn
Ihr aus den Fehlern des ersten Mals genug vernünftige Schlüsse gezogen
habt.
Denn merket: Ihr könnt Euch ohnehin nicht ewig prügeln
:-)
sven/200102
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