K.: "Wenn Sie Gottes Wort nicht annehmen, ..."


Hallo K.,

ich habe einige Bibeln. Und sie wurden sie von Menschen ins Deutsche übersetzt, geschrieben, gedruckt und verbreitet. Mit den Quelltexten wird es kaum anders sein. Mir sind die Texte deshalb "Menschenwort".

Wenn Ihnen die Bibel "mehr" ist (Wort Gottes), so will ich Ihnen das als Glaube nicht bestreiten. Als bewiesene Tatsache gilt es mir nicht. 

Aus Ihrer Perspektive halten Sie mich deshalb für "ungläubig". Und das ist aus meiner Perspektive Ihr unbestrittenes Glaubensrecht.

Mir hingegen ist die Bibel ein "Buch mit vielen religiösen Geschichten, die auch Geschichte enthalten" - und die religiösen Geschichten gefallen mir in vielem so wenig wie mir die Geschichte gefallen müsste, in der sie entstanden: im Alten Testament mit zweierlei Strafmaß für Sklaven und Herren, zweierlei Maß für die Geschlechter; List, Mut und Gewalt der eigenen Leute "gut" und der anderen Leute "schlecht". All das steht meiner Ethik entgegen. 

Wären diese Geschichte von Gott verbal inspiriert, so würde sich mein Urteil über die Schriften hinaus auf Gott erstrecken.

Und hilft sich mancher Christ damit heraus, dass mit Christus Revisionen oder Klarstellungen kamen, so ist das bereits ein anderes Thema als die Frage danach, ob die Bibel Gottes Wort sei.

Mir gilt: Wäre die Bibel Gottes Wort, so hätte Gott seine für die Menschen bestimmte Moral in gleichem Maße geändert, wie sie allerorten auch ohne Bibel im Wandel waren. Das jedoch scheint mir von keinem religiösen oder sonstigem Standpunkt plausibel.

Auf solch menschliche Plausibilität mag es dem Gläubigen nicht ankommen - und darin liegt der Unterschied zwischen den Weltanschauungen. Nicht erst seit heute, sondern auch zu allen Zeiten der Bibel.

Grüße von Sven    
DISKUSSION

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